Expertise: Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards

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Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards

Eine Expertise von

Eckhard Klieme, Hermann Avenarius, Werner Blum, Peter Döbrich, Hans Gruber, Manfred Prenzel, Kristina Reiss, Kurt Riquarts, Jürgen Rost, Heinz-Elmar Tenorth, Helmut J. Vollmer

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Vorwort
Teil A – Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards.
Zusammenfassung
  • Anlass, Ziel und Aufbau der Expertise
Konzeption und Funktion von Bildungsstandards
  • Konzeption von Bildungsstandards
  • Beispiele: Standards und Curricula aus dem Bereich Mathematik
  • Zur Bedeutung von Standards für die Weiterentwicklung von Schule und Unterricht
Grundlagen für die Entwicklung von Bildungsstandards
  • Bildungsstandards, Kompetenzmodelle und Bildungsziele: Konstruktions- und Legitimationsprobleme
  • Kompetenzmodelle aus pädagogisch-psychologischer Sicht
  • Testentwicklung: Methodische und diagnostische Grundlagen
Konsequenzen der Einführung von Standards für das Bildungssystem
  • Folgen für Lehrplanentwicklung und schulische Lehrpläne: Standards und Kerncurricula
  • Bildungsmonitoring, Evaluation und Individualdiagnostik auf der Basis von Standards
  • Aufgaben der Unterstützungssysteme
Entwicklung und Implementation von Bildungsstandards in Deutschland
  • Die Infrastruktur für Entwicklung und Implementation von Bildungsstandards
  • Stand und Perspektiven der Entwicklung von Bildungsstandards in Deutschland
Anhang
Beispiele für die weitere Entwicklung von Kompetenzmodellen
Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen
Der Common Framework for Science Outcomes (Kanada)
Literaturverzeichnis
Teil B – Präsentation der Expertise „Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards“ am 18. Februar 2003 in Berlin

Zusammenfassung

„Nationale Bildungsstandards formulieren verbindliche Anforderungen an das Lehren und Lernen in der Schule. Sie stellen damit innerhalb der Gesamtheit der Anstrengungen zur Sicherung und Steigerung der Qualität schulischer Arbeit ein zentrales Gegenstück dar. Bildungsstandards benennen präzise, verständlich und fokussiert die wesentlichen Ziele der pädagogischen Arbeit, ausgedrückt als erwünschte Lernergebnisse der Schülerinnen und Schüler. Damit konkretisieren sie den Bildungsauftrag, den Schulen zu erfüllen haben.

Für die Gestaltung von Bildungsstandards werden in dieser Expertise folgende Vorschläge gemacht: Bildungsstandards greifen allgemeine Bildungsziele auf. Sie legen fest, welche Kompetenzen die Kinder oder Jugendlichen bis zu einer bestimmten Jahrgangsstufe mindestens erworben haben sollen. Die Kompetenzen werden so konkret beschrieben, dass sie in Aufgabenstellungen umgesetzt und prinzipiell mit Hilfe von Testverfahren erfasst werden können. Der Darstellung von Kompetenzen, die innerhalb eines Lernbereiches oder Faches aufgebaut werden, ihrer Teildimensionen und Niveaustufen, kommt in diesem Konzept ein entscheidender Platz zu. Kompetenzmodelle konkretisieren Inhalte und Stufen der allgemeinen Bildung. Sie formulieren damit eine pragmatische Antwort auf die Konstruktions- und Legitimationsprobleme traditioneller Bildungs- und Lehrplandebatten. Die Expertise benennt mehrere Beispiele für Kompetenzmodelle aus der Mathematik (etwa bei PISA), aus dem Fremdsprachenlernen und der Naturwissenschaftsdidaktik. Diese Modelle stützen sich auf fachdidaktisches und pädagogisch-psychologisches Wissen.

Die erste Funktion der Bildungsstandards besteht in der Orientierung der Schulen auf verbindliche Ziele. Lehrkräfte, aber auch Lernende und deren Eltern können sich darauf bei der pädagogischen Weiterentwicklung von Schule und Unterricht beziehen. Kompetenzmodelle bieten den Lehrerinnen und Lehrern ein Referenzsystem für ihr professionelles Handeln. Bildungsstandards lassen den Schulen einen starken Freiraum für die innerschulische Lernplanung, zumal wenn die Lehrpläne und Rahmenrichtlinien der Länder auf Kerncurricula begrenzt werden. Diesen Freiraum zu nutzen, kann die Schule voranbringen, erfordert aber auch Unterstützung durch Einrichtungen der Lehrerbildung, Schulaufsicht und Landesinstitute.

Eine zweite Funktion der Bildungsstandards besteht darin, dass auf ihrer Grundlage Lernergebnisse erfasst und bewertet werden. Mit Bezug auf die Bildungsstandards kann man prüfen, ob die angestrebten Kompetenzen tatsächlich erworben wurden. So lässt sich feststellen, inwieweit das Bildungssystem seinen Auftrag erfüllt hat (Bildungsmonitoring), und die Schulen erhalten eine Rückmeldung über die Ergebnisse ihrer Arbeit (Schulevaluation). Die Standards können auch Hinweise geben für die individuelle Diagnostik und Förderung. Allerdings legt die Expertise Wert darauf, dass Tests, die im Bildungsmonitoring und für die Schulevaluation eingesetzt werden, solche Individualdiagnostik aus methodischen Gründen meist nicht erlauben. Von einer Verwendung der Standards bzw. standard-bezogener Tests für Notengebung und Zertifizierung wird abgeraten.

Die Expertise beschreibt in den beiden letzten Kapiteln die Infrastruktur, die in Deutschland für Entwicklung und Implementation der Bildungsstandards sowie für Bildungsmonitoring und Schulevaluation entstehen sollte, und die Arbeitsschritte der nächsten Jahre.

Die bisherigen Arbeiten in den Ländern und in der KMK bilden einen guten Ausgangspunkt. Aufgaben der näheren Zukunft sind vor allem die fachdidaktische Vertiefung in Kompetenzmodellen, die Festlegung von Mindeststandards, die Entwicklung von Aufgabenpools und Testverfahren sowie die Implementation an den Schulen. Es wird betont, dass die verbindliche Festsetzung der Standards und die standard-bezogene Evaluation von Schulen Angelegenheit der einzelnen Länder sind. Für die Entwicklung von Standards und Tests sowie das (nationale) Bildungsmonitoring – das an PISA und ander internationale Untersuchungen gekoppelt werden könnte – schlägt die Expertise jedoch den Aufbau einer nationalen Agentur vor.

Wenn es gelingt, Bildungsstandards so zu gestalten, dass sich in ihnen eine Vision von Bildungsprozessen abzeichnet, eine moderne „Philosophie“ der Schulfächer, eine Entwicklungsperspektive für die Fähigkeiten von Schülern, dann können die Standards zu einem Motor der pädagogischen Entwicklung unserer Schulen werden.“

Quellen im Internet

Persönliche Werkzeuge